Freitag, 9. August 2013

Vier Wochen Probeabo Teil IV: Arsch auf Eimer

Seit Jahren habe ich keine Print-Zeitung mehr gelesen. Jetzt habe ich mir ein kostenloses Probeabo bestellt. Eine Erkundung.

Zum ersten Teil geht es hier.

Zum zweiten Teil geht es hier.


Zum dritten Teil geht es hier.


Eine Kiste voll Altinformation. Bild von mir.

Seit gestern liegt meine letzte Probeabo-ZEIT im Altpapier, irgendwann muss ich mal runtergehen und das wegwerfen, aber erstmal muss ich sagen: Der Zeitpunkt passt wie Arsch auf Eimer (ich war mir immer nicht sicher, ob ein Arsch gut auf einen Eimer passt oder nicht, aber ich glaube, gut). 


Springer und Amazon spielten im Laufe der Woche fleißig Print-Monopoly, und seitdem kacken sich alle deswegen an, aber nicht nur deswegen, es wird - selbstverständlich, weil es ja auch Journalismus ist - auf- und großgeblasen, es geht immer und sofort ums Prinzip. 

Donnerstag, 18. Juli 2013

4 Wochen Probeabo - Teil III: Stallgeruch

Seit Jahren habe ich keine Print-Zeitung mehr gelesen. Jetzt habe ich mir ein kostenloses Probeabo bestellt. Eine Erkundung.

Zum ersten Teil geht es hier.

Zum zweiten Teil geht es hier.



Buntes Blatt. Bild von mir.

Folgendes passierte: Ich hatte, ich weiß nicht genau woher, eines dieser Gratis-Parfümpröbchen-Röhrchen rumliegen. Und ich hatte die aktuelle ZEIT herumliegen. Beides auf dem Küchentisch. Ich brauchte den Küchentisch für irgendetwas, ich weiß nicht mehr genau, wahrscheinlich, um Essen darauf abzustellen, jedenfalls wischte ich den Kram auf den Fußboden. Aß. Stand auf. Lief über die Zeitung, die auf dem Boden lag, und über das Parfümpröbchen-Röhrchen, das irgendwo zwischen den Seiten versteckt war. Und stellte fest: Die ZEIT hat ganz ausgezeichnete Saug-Eigenschaften. Der Blätterwald, der die Woche über bei mir rumlag, roch männlich-moschusartig, vielleicht auch würzig, generell aber eher unangenehm. 

Es gilt wieder: Ich möchte gar keine einzelnen Artikel kritisieren - es gibt gute, es gibt schlechte, lange Reportagen, kurze Notizen, bekloppte und interessante Meinungen,  das meiste ist irgendwie so mittendrin. Nichts, was ich mit riesigem Gewinn gelesen hätte, vor allem im Feuilleton liegt die Themenauswahl manchmal extrem quer zu dem, was ich eigentlich lesen möchte - zu wenig Pop, zu wenig Gegenwart, zuviel Abfeiererei von Toten und Nischen - andererseits sind das aber auch Sachen, die ich sonst vielleicht nie gelesen und gewusst hätte. 

Mittwoch, 3. Juli 2013

Vier Wochen Probeabo - Teil II: Rituale

Seit Jahren habe ich keine Print-Zeitung mehr gelesen. Jetzt habe ich mir ein kostenloses Probeabo bestellt. Eine Erkundung.

Zum ersten Teil geht es hier. 



Der Ritualsessel. Bild von mir.

Wenn ich an Printzeitungen denke, denke ich an Rituale. Schöne Rituale, die mir Freude gemacht haben. Ich setzte einen Kaffee auf, und stolperte jeden morgen die Treppe zum Briefkasten herunter, oft noch verschlafen, ein- oder zweimal im Bademantel. Ich stolperte, die Zeitung - die Süddeutsche - unter den Arm geklemmt wieder hoch, in der Küche war der Kaffee inzwischen fertig. Ich goß mir einen Kaffee ein, las immer zuerst die Schlagzeilen, dann das "Streiflicht" oben links, drehte ich den Politikteil um, las das, was dort unter der Überschrift "Aus aller Welt" so stand,  arbeitete mich von hinten weiter durch, blieb meistens an der Reportage auf Seite 3 noch etwas länger hängen, hatte dann schon meine erste Tasse Kaffee und die erste Morgenzigarette fertig. Ich legte den ersten Teil der Zeitung weg, schenkte mir einen neuen Kaffee ein, zündete eine neue Zigarette an, und begann mit dem Feuilleton. Freitags und Samstags las ich zwischen Politiktteil und Feuilleton das Magazin, beziehungsweise die Wochendendbeilage.

Jeden Tag. Ein paar Jahre lang. Manchmal, wenn ich früh los musste, nahm ich mit, was ich morgens nicht geschafft hat - die Reihenfolge blieb immer gleich. 

Freitag, 21. Juni 2013

4 Wochen Probeabo - Teil I: Verwirrung

Seit Jahren habe ich keine Print-Zeitung mehr gelesen. Jetzt habe ich mir ein kostenloses Probeabo bestellt. Eine Erkundung.



Der Brief. Mit original fotokopierter Unterschrift.

Jetzt ist es soweit. Ich habe eine Kundennummer. An diesem Tag, dem Tag nach dem großen Gewitter, öffne ich den Briefkasten, und hole eine enthusiastisch formulierten, mit vielen Ausrufezeichen garnierten Brief heraus. 

Herzlich Willkommen!, steht da, Sie sind auf der Suche nach einer Zeitung, die Ihnen ein anspruchsvolles Lesevernügen bietet? Dann lernen Sie Deutschlands rennomierteste Wochenzeitung kennen: Vom 27.6. an lesen Sie DIE ZEIT 6 Wochen lang zur Probe, und das gratis!
[fett im Original] 


Das geht ja gut los. Ich hatte dieses Angebot bestellt, und, wenn ich richtig lesen kann, dann steht da was von vier Wochen. Warum sind es jetzt sechs? Nun ja. Ich will mich nicht beschweren, ich will nicht überkritisch sein, sechs Wochen statt vier, warum nicht. Ich habe ja eine Kundenummer. Und Telefonnummern. Und Mailadressen. 

Lieber ZEIT-Aboservice, schreibe ich,  
Heute habe ich ihren Brief mit der Bestätigung meines kostenlosen Probeabos bekommen. Vielen Dank dafür. 
Nun hatte ich aber ein Angebot bestellt, in dem steht, dass es DIE ZEIT für vier Wochen kostenlos gibt - in Ihrem Bestätigungsbrief schreiben Sie, dass es sechs Wochen sind.
Ich will mich nicht beschweren, sechs statt vier Wochen, das ist ganz wunderbar. Trotzdem bin ich etwas verwirrt. Sind es nun vier oder sechs kostenlose Wochen? Vielleicht können Sie mir da weiterhelfen. 
Meine Kundennummer ist: XXX XXX XXXX
Viele Grüße,
Jan Fischer 


Warum mache ich das? Zugegeben, wenn ich sage, dass ich seit Jahren keine Print-Zeitung mehr gelesen habe, ist das gelogen - allerdings nur ein bisschen.
Ich hatte, das ist schon eine Weile her, einmal ein Abo der Süddeutschen Zeitung, und ich habe versucht, sie täglich zu lesen. Ich nahm sie jeden Tag mit, stopfte sie in meine studentische Umhängetasche, las morgens im Bus teilweise das Feuilleton, den Rest dann vor dem ersten Seminar, und in den Seminarpausen dann den Rest, soweit ich eben kam. 
Ich nahm den ganzen Berg von auseinandergefaltetem und totgelesenem Papier wieder mit nach Hause, schmiss es ins Altpapier, und in der WG diskutierten wir dann darüber, wer den Haufen entsorgen musste. 

Dienstag, 18. Juni 2013

Nostalgischer Nostalgiepost (mit Nostalgie)

Das Buch, früher.
Als ich gerade anfing zu studieren, 2005, wollten wir nichts lieber als Bücher machen. Die ganze Zeit. Und deshalb saßen wir ständig um irgendwelche Küchentische, tranken, und dachten uns was aus. Und aus dem ein oder anderen wurde auch etwas. An ein paar davon möchte ich mich mittlerweile nicht mehr so gerne erinnern, andere wiederum haben sich als wirklich gute und schöne Ideen erwiesen, an denen ich gerne mitgearbeitet habe. "Alte Freunde. Helden unserer Kindheit" ist eines davon, auch eines, von dem ich immer wieder gerne erzähle, auch, weil für mich an dem Buch der Geruch dieser zauberhaften Aufbruchsphase hängt, in der wir wirklich nichts anderes als ein paar betrunkene Nächte an einem Küchentisch brauchten, um ein Buch zu machen. 

Demnächst erscheint eine runderneuerte Variante des alten Konzepts in der Edition Büchergilde. Bessere Autoren, bessere Herausgeber, ein richtiger Verlag, alle diese Sachen. Ich freue mich auch, dabei mitgemacht zu haben. 

Aber mein Herz wird immer an dieser alten, holprigen Version hängen, die wir uns in den langen, ersten Studiennächten ausgedacht haben. Deshalb hier: Meine zwei Texte daraus. Über He-Man und She-Ra, und über Knight Rider. 


Mittwoch, 29. Mai 2013

Future-blond & stinkende Luft

So sah das aus, und getwittert wurde während der Lesung
auch noch. Bild: Litfutur
Vor ein paar Tagen waren wir mal wieder als literarischste Boygroup der Welt unterwegs, als
Quatschprogramm auf dieser ernsthaften Konferenz hier.  

Die anderen hielten Vorträge oder sprachen miteinander, wir veranstalteten Live Poetry, sowas wie eine Mischung aus Poetry Slam und Improvisationstheater, und bastelten aus Zurufen aus dem Publikum zwei Texte. Marcel und ich schrieben, Til moderierte. 


Die Texte kopiere ich jetzt hier einfach mal rein, so, wie sie entstanden sind, mit sämtlichen Rechtschreibfehlern und dem ganzen Chaos.



Donnerstag, 23. Mai 2013

Ich habe Lesungen immer sehr geliebt, aber meistens gehe ich nicht mehr hin

Ein Jahr lang leitete ich eine kleine Veranstaltungsreihe im Theater für Niedersachsen, nichts
Immerhin ein Bier, und kein Wasserglas. Bild: Privat
großes, ein Late-Night-Format, das hauptsächlich dazu gedacht war, auch mal jüngeres Publikum ins Theater zu holen. Dafür, das ganze technisch zu betreuen, war mir ein grummeliger, oft bärtiger Theatertechniker zugeteilt, der alles konnte und jeden kannte, aber den Aufwand gerne gering hielt. Dieser Techniker liebte Lesungen. Er musste einfach nur einen Tisch und einen Stuhl hinstellen, zwei Lichter -eins weiß, eins farbig - darauf richten, ein Mikro hinstellen, und den Rest des Tages wurden wir beide dafür bezahlt, auf dem Balkon zu stehen und zu rauchen, so lange, bis kurz vor Veranstaltungsbeginn der Autor auftauchte, seinen Stuhl ausprobierte, zwei Worte ins Mikro sagte, und dann rauchten wir alle drei gemeinsam, bis es los ging. Es gibt kaum unaufwändigere Veranstaltungen. 
Tatsächlich gibt es aber auch kaum langweiligere Veranstaltungen als so eine Lesung auf Default-Setting. 
Es gibt Autoren, die versuchen, es anders zu machen - es gibt Poetry Slams, es gibt Leute, die ihre eigenen DJs mit zur Lesetour schleppen, es gibt allen möglichen multimedialen Krempel - aber ein großer Teil der Lesungen, auf denen ich war, ein großer Teil der Lesungen, die einem so angeboten werden - als Lesender und als Zuhörer - sehen genau so aus: Ein Tisch, ein Stuhl, ein Wasserglas.